Hermann Josef Hack

Aktuelles

Bremerhaven wird von Hack zum Klimaflüchtlingslager erklärt


Wie hier in Jena, wird Hack am 7. Mai am Pier der Wissenschaften in Bremerhaven sein World Climate Refugee Camp errichten.

Installation aus 800 Miniatur-Flüchtlingszelten am Samstag, 7. Mai 2011, am Pier der Wissenschaft im Rahmen des Wissenschaftsfestivals „Frischer Wind“

Am 7. Mai wird der Künstler Hermann Josef Hack den Pier der Wissenschaft in Bremerhaven zum Klimaflüchtlingslager erklären und ein Camp mit über 800 Zelten errichten. Hack beschäftigt sich von 1991 an mit den sozialen Auswirkungen des Klimawandels. Seit seiner Teilnahme am documenta-Projekt "Van Gogh TV" gilt er als Pionier im Bereich neuer Medien und Vermittler zwischen Wissenschaft, Forschung und der Öffentlichkeit. Auf der documenta IX ließ er die Zuschauer seiner interaktiven TV-Sendungen sich direkt mit Klimaforschern interaktiv über das Ozonloch und die Auswirkungen auf die Gesellschaft unterhalten. Seine weltweit erste Bildtelefonverbindung zwischen Forschern am Nordpol, am Südpol und Museumsbesuchern (Polarnacht, Siegburg, 30.7.1994) fand Einzug ins Guinness-Buch der Rekorde. Wichtiger als seine Auszeichnungen, z.B. von der UNESCO Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung, ist dem Künstler das aktive Eintreten für eine „Ästhetik des weltweiten Überlebens“ (Hack).

Als größte Herausforderung sieht Hack den friedlichen Umgang mit der steigenden Zahl von Klimaflüchtlingen, Menschen, die schon jetzt durch die Folgen der Erderwärmung heimatlos geworden sind. Es sind die Ärmsten, welche als Erste unter den Auswirkungen des Klimawandels leiden. Aktuell sind über 20 Millionen Klimaflüchtlinge weltweit unterwegs. Die meisten versuchen, in Schlauchbooten aus Afrika nach Südeuropa durchzukommen. Wollen sie nicht zu Hause verhungern, weil Dürre, Flutkatastrophen oder Wirbelstürme ihre Felder verwüstet haben, müssen sie riskieren, auf dem Seeweg zu ertrinken, sofern sie die Wucherpreise der Schlepperbanden aufbringen können. Wenn es nicht gelingt, ihnen eine würdige Existenz zu ermöglichen, wird dies zu blutigen Konflikten führen.

Der international mit Kunstpreisen ausgezeichnete Hack will dieses immer noch zu wenig bekannte Thema in das öffentliche Bewusstsein tragen. Hierzu hat er seit 2007 über 1000 Miniatur-Zelte gefertigt, mit denen er Klimaflüchtlingslager an verschiedenen Orten aufstellt. So hat er den Reichstag in Berlin zum Klimaflüchtlingslager erklärt und seine Mini-Camps vor dem UN-Klimasekretariat, dem UNHCR-Flüchtlingskommissar und anderen öffentlichen Stellen aufgestellt, um das Thema dorthin zu bringen, wo die Verantwortlichen und Hoffnungsträger für die Lösung dieses Problems sitzen. „Wir können die Lösung nicht an Politiker oder Institutionen delegieren, denn sie tun nicht, was sie wissen,“ so Hack, „jede/r Einzelne von uns ist Täter und Opfer in einer Person. Nur wenn wir alle jetzt aktiv den Klimawandel stoppen, können wir verhindern, dass noch mehr Menschen heimatlos werden.“

Der Einladung des Wissenschaftsfestivals „Frischer Wind“ ist Hack gerne gefolgt, weil „sich auch die Wissenschaft stärker mit den sozialen Folgen des globalen Wandels auseinander setzen muss. Immerhin handelt es sich hier um die größte soziale Revolution aller Zeiten, wenn Millionen Menschen zu Migranten werden, weil unsere egoistische Lebensweise ihre Lebensgrundlangen vernichtet“, so der Künstler. Dort, wo einst Tausende Richtung Amerika auswanderten, weil sie hierzulande keine Existenz fanden, soll das Klimaflüchtlingslager auf diejenigen hinweisen, deren Schicksal mit unserem eng verknüpft ist.